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Der Mann im Mond

Über die Benennung von Mondkratern

In vielen Städten wurde in den letzten Jahren darüber diskutiert, nach wem Straßen und Plätze benannt sind und welche Denkmäler im öffentlichen Raum stehen. Dabei geht es um die Auseinandersetzung mit kolonialen Vergangenheiten und, insbesondere in Deutschland, um Biografien aus der NS-Zeit. Daraus ergibt sich eine grundlegende Frage: Wen erinnern wir öffentlich – und warum? Und diese Praxis beschränkt sich nicht nur auf die Erde: Selbst auf dem Mond tragen Orte Namen von Menschen.

Die meisten Mondkrater sind nach Personen aus Europa benannt.

Auf der Erdabgewandten Seite tragen viele Krater die Namen von Personen aus Nordamerika. Das hängt vor allem mit der ersten Mondlandung der USA 1969 zusammen.

Personen aus Südamerika sind dagegen mit nur sehr wenigen Kratern vertreten.

Das gilt auch für Asien

Afrika

und Ozeanien.

Wer benennt den Weltraum?

Zuständig für die offizielle Benennung von Himmelskörpern und deren Oberflächenstrukturen ist die International Astronomical Union (IAU). Seit ihrer Gründung im Jahr 1919 legt sie fest, wie Planeten, Monde, Sterne und eben auch Mondkrater heißen sollen. Neue Namen werden erst nach sorgfältiger Prüfung durch Fachkommissionen vergeben. Dafür hat die IAU klare Richtlinien entwickelt:

  • Große Krater werden nach verstorbenen Wissenschaftler:innen, Gelehrten oder Entdecker:innen benannt.

  • Die Person muss einen bedeutenden Beitrag zur Wissenschaft oder Kultur geleistet haben.

  • Politische oder militärische Figuren sind grundsätzlich ausgeschlossen.

  • Namen sollen international ausgewogen sein.

Nicht nur die Kontinente sind sehr ungleich verteilt. Die meisten Krater sind zudem nach Männern benannt.

Nicht einmal 50 Krater tragen den Namen von Frauen.

Der Größte davon wurde der Chemikerin Marie Curie gewidmet.

Auch nach der Physikerin Lise Meitner wurde ein Krater benannt.

Und seit 2016 heißt ein Krater nach Hildegard von Bingen.

Doch viele dieser Krater beziehen sich nicht auf konkrete historische Personen, sondern auf allgemeine weiblich konnotierte Vornamen wie hier Melissa, Carol, Shahinaz oder Sita.

Und häufig sind diese nur sehr klein und liegen zudem neben oder in einem größeren Krater, der nach einem Mann benannt wurde.

Durch Klicken auf die Krater und die Navigation rechts kann die Karte weiter erkundet werden.

Über Jahrhunderte hinweg war Wissenschaft stark von Männern aus Europa geprägt — nicht unbedingt, weil ausschließlich sie Bedeutendes geleistet hätten, sondern weil vor allem ihnen Bildung und Institutionen offen standen. Die Mondkarte spiegelt diese patriarchalen Strukturen wider und zeigt, dass selbst im scheinbar grenzenlosen Weltraum die Vorstellungen davon, wie und an wen erinnert wird, sehr begrenzt sind.

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