Der Mann im Mond
Über die Benennung von Mondkratern
In vielen Städten wurde in den letzten Jahren darüber diskutiert, nach wem Straßen und Plätze benannt sind und welche Denkmäler im öffentlichen Raum stehen. Dabei geht es um die Auseinandersetzung mit kolonialen Vergangenheiten und, insbesondere in Deutschland, um Biografien aus der NS-Zeit. Daraus ergibt sich eine grundlegende Frage: Wen erinnern wir öffentlich – und warum? Und diese Praxis beschränkt sich nicht nur auf die Erde: Selbst auf dem Mond tragen Orte Namen von Menschen.
Wer benennt den Weltraum?
Zuständig für die offizielle Benennung von Himmelskörpern und deren Oberflächenstrukturen ist die International Astronomical Union (IAU). Seit ihrer Gründung im Jahr 1919 legt sie fest, wie Planeten, Monde, Sterne und eben auch Mondkrater heißen sollen. Neue Namen werden erst nach sorgfältiger Prüfung durch Fachkommissionen vergeben. Dafür hat die IAU klare Richtlinien entwickelt:
Große Krater werden nach verstorbenen Wissenschaftler:innen, Gelehrten oder Entdecker:innen benannt.
Die Person muss einen bedeutenden Beitrag zur Wissenschaft oder Kultur geleistet haben.
Politische oder militärische Figuren sind grundsätzlich ausgeschlossen.
Namen sollen international ausgewogen sein.
Über Jahrhunderte hinweg war Wissenschaft stark von Männern aus Europa geprägt — nicht unbedingt, weil ausschließlich sie Bedeutendes geleistet hätten, sondern weil vor allem ihnen Bildung und Institutionen offen standen. Die Mondkarte spiegelt diese patriarchalen Strukturen wider und zeigt, dass selbst im scheinbar grenzenlosen Weltraum die Vorstellungen davon, wie und an wen erinnert wird, sehr begrenzt sind.
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Berlin, 2024 |